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Eine Visualisierung zeigt, wie die Campagne Reichenau zukünftig aussehen wird.
Eine Visualisierung zeigt, wie die Campagne Reichenau zukünftig aussehen wird.

Ein Stück energieeffiziente Stadt bauen

Auf einer Fläche von beinahe zwölf Fußballfeldern, also etwa 84.000 Quadratmetern, entsteht in der Reichenau ein neues Stadtviertel. Mehr als 1.000 Wohnungen, Sportanlagen, öffentlicher Freiraum und soziale Infrastruktur werden zukünftig in der Campagne Reichenau beheimatet sein. Der Spatenstich für das erste Baufeld soll im Spätherbst 2019 erfolgen.

Um einerseits die Qualität der Stadtentwicklung sicherzustellen und andererseits den Anspruch „ein Stück Stadt bauen“ bestmöglich umzusetzen, kam beim Großprojekt Campagne Reichenau in Innsbruck erstmals ein sogenanntes „kooperatives Planungsverfahren“ zum Einsatz. In eigens eingerichteten Foren konnten BürgerInnen direkt an der Entwicklung mitwirken. In einem weiteren Schritt wurden Arbeitsgruppen eingesetzt. In diesen wurden unter anderem Themen wie Quartiers- und Stadtteilmanagement, eine quartiersbelebende Nutzung von Erdgeschoßen, Gestaltungs- und Nutzungsqualität, Kinderbetreuungseinrichtungen, Soziales, Mobilität und nicht zuletzt Energieeffizienz behandelt.

Vorbildwirkung

„Mit der Campagne Reichenau soll ein Erfolgskonzept für die Schaffung von nachhaltigem und kostengünstigem Wohnraum entstehen“, sind sich Bürgermeister Georg Willi und Dr. Franz Danler, Geschäftsführer der Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG), einig: „Dabei wird nicht nur auf die energetische Optimierung der Gebäudehüllen, sondern auch auf nachhaltige Ver- und Entsorgungsstrukturen geachtet.“ Damit dieses Ziel erreicht werden kann, wird an die vielfältigen Erfahrungen aller ProjektpartnerInnen angeknüpft. Durch diesen gemeinsamen Weg soll im neuen Stadtquartier eine „Zero Emission Urban Region“, also eine Region ohne Emissionen, angestrebt werden. Außerdem wird die Eingliederung in die Energiestrategie „Tirol 2050 – Unser Land wird energieautonom“ angestrebt.

Komfortabel und energiesparend

„Am Beginn der Überlegungen steht eine effiziente Gebäudeplanung“, weiß IIG-Geschäftsführer Danler: „Deshalb wird die Wohnbebauung am Areal in sehr energieeffizienter Passivhausbauweise entworfen.“ Generell wird durch das Konzept von Passivhäusern eine neue Wohn- und Bauqualität erreicht. Eine gut gedämmte Gebäudehülle, von Nutzerinnen bedienbare Fenster mit dreifacher Wärmeschutzverglasung sowie eine Komfortlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sind die wichtigsten Komponenten eines solchen Hauses. Sowohl der Verbrauch für Heizung als auch Warmwasser wird durch diese Maßnahmen auf ein Minimum reduziert, der Wohnkomfort steigt.

"Durch die hervorragende Zusammenarbeit zahlreicher Expertinnen und Experten sowie Planerinnen und Planer wird die Campagne Reichenau zum Vorzeigeprojekt auf vielen Ebenen. Vor allem der zukunftsfähige Energiemix mit Fokus auf die Umwelt überzeugt."

Bürgermeister Georg Willi

Bürgermeister Georg Willi

Vorhandenes nutzen

Der noch verbleibende Energiebedarf der Campagne Reichenau soll durch ein nachhaltiges Versorgungssystem gestillt werden. Um diese Theorie in die Praxis umzusetzen, schloss sich eine ExpertInnengruppe zusammen, aus der sich die „SmartCity Campagne Energiegruppe“ bildete. In intensiven Entwicklungs- und Beurteilungsprozessen erarbeiteten und verglichen die ExpertInnen mehrere Szenarien, bei denen lokal verfügbare Energieträger oder die Zukunftsfähigkeit des Versorgungssystems berücksichtigt wurden. Aus den Szenarien wurde jenes ausgewählt, das sich aus verfügbaren, erneuerbaren Energiequellen und der schon vorhandenen Fernwärmeversorgung zusammensetzt. Genau dieses Szenario soll nun auch Realität werden. Im ersten Baufeld in der Radetzkystraße soll beispielsweise eine Grundwasserwärmepumpe zur Anwendung kommen: Das am Areal vorhandene Wasser wird durch eine Wärmepumpe gehoben und versorgt im Anschluss die Raumheizung. Der dafür notwendige Strom wird teilweise durch Photovoltaikmodule auf den Dächern gewonnen, den restlichen Strombedarf deckt die heimische Wasserkraft. „Bei der Raumheizung wird dadurch auf einen überdurchschnittlich großen Anteil an erneuerbarer Energie gesetzt“, freut sich Bürgermeister Willi. Auch bei der Trinkwarmwassererzeugung wird auf einen überwiegend erneuerbaren Anteil im Fernwärmenetz zurückgegriffen.

Die Zukunft

Ab Ende dieses Jahres entstehen am ersten Baufeld rund 310 geförderte Mietwohnungen, die zum einen auf die IIG und zum anderen auf die Neue Heimat Tirol (NHT) entfallen. Die Vergabe der Wohnungen erfolgt durch die Stadt Innsbruck. Die Fertigstellung von Baufeld 1 ist für das erste Halbjahr 2022 geplant. Die Baufelder 2 und 3 werden im Abstand von etwa zwei bis drei Jahren vollendet. AA